Kennen Sie dieses leise, nagende Gefühl? Dieses Bauchgrummeln, das Ihnen zuflüstert, dass bei einer Sache etwas nicht ganz stimmt? Ein Gefühl, das man gerne beiseiteschiebt, weil auf dem Papier doch alles so perfekt aussieht: der richtige Kunde, der spannende Auftrag, die große Chance. Man sagt sich: „Das wird schon. Das kriege ich mit Routine hin.“
Ich kenne dieses Gefühl nur zu gut. Und ich weiß jetzt, was passiert, wenn man es zu lange ignoriert, wenn dein Unterbewusstsein die Notbremse zieht. Und zwar mit einem Knall, der so laut ist, dass du ihn nicht mehr überhören kannst. Meiner kam in Form des peinlichsten Fauxpas meiner gesamten Beraterkarriere.
Mein Weg ins Termin-Chaos
Es war die Anfrage eines Kunden, auf die ich lange gewartet hatte. Eine große Abteilung wollte ihre zweitägige Jahresklausur von meiner Kollegin und mir moderieren lassen. Ein guter Einstieg, dachte ich, für mögliche weitere Aufgaben. Aber schon in der ersten Auftragsklärung war da dieses Gefühl. Etwas passte nicht so richtig.
Wir zogen den Workshop durch, aber das Ergebnis war… lauwarm. Der Chef war nicht wirklich zufrieden, konnte aber nicht benennen, woran es lag. Ich spürte dasselbe Unwohlsein. Ich hakte es ab unter „kein rauschendes Fest, aber okay“ und dachte: „Wird wohl nichts mehr weiter passieren.“
Denkste. Ein knappes Jahr später kam die Anfrage für die nächste Klausur. Wieder 45 Kolleginnen und Kollegen. Wieder ein komplexer Prozess. Ich führte das Klärungsgespräch, entwickelte ein Konzept, das Konzept wurde abgenommen. Alles klar. Auf dem Papier.
Und dann begann mein Unterbewusstsein, seine eigenen Pläne zu schmieden. Völlig unbemerkt schob ich in meinem Kopf den Termin für den Workshop mental um zwei Wochen nach hinten. Als Anrufe kamen mit Detailfragen zur Vorbereitung, konnte ich lässig aus der Hüfte antworten. Das Konzept stand ja. Ich war entspannt.
Bis zu jenem Morgen, exakt zwei Wochen vor „meinem“ Termin. Ich war gerade mit meinen Hunden auf einer großen Runde, die Vögel zwitscherten, die Welt war in Ordnung. Da klingelte mein Telefon.
„Herr Bickenbach, wo bleiben Sie denn? Wir sitzen hier mit 45 Leuten im Hotel und warten auf Sie.“
Stille. Das Zwitschern der Vögel verstummte. Mir wurde schlagartig klar: Der Workshop war nicht in zwei Wochen. Er war jetzt. In diesem Moment. Und ich stand meilenweit entfernt im Wald. Keine Chance, auch nur annähernd pünktlich dort aufzutauchen. Ich hatte es so richtig, so monumental, so komplett vermasselt.
Die brutale Ehrlichkeit des Unterbewusstseins
Was war passiert? War ich unorganisiert? Schlampig? Nein. Es war etwas viel Tieferes. Mein Unterbewusstsein hatte mir auf die denkbar drastischste Weise eine Nachricht geschickt, die mein Verstand nicht wahrhaben wollte: Dieser Kunde und ich, wir passten nicht zusammen. Die Chemie stimmte nicht – von beiden Seiten.
Ich wollte den Auftrag. Ich wollte den Fuß in der Tür bei diesem Unternehmen. Also hatte ich die feinen, aber klaren Signale ignoriert und mir eingeredet, dass ich das mit meiner Erfahrung und Routine schon irgendwie „über die Runden“ bringen würde.
Ein fataler Irrtum. Weil ich mir selbst und dem Kunden gegenüber nicht ehrlich war, habe ich den Karren nicht nur an die Wand, sondern direkt in den Graben gefahren.
Was ich daraus gelernt habe (und was es für Sie bedeutet)
Dieser schmerzhafte Moment war eine meiner wertvollsten Lektionen. Ich habe vor allem zwei Dinge daraus gelernt:
- Die Macht der Passung und der Mut zur Absage.
Ich passe nicht zu jedem Kunden. Und nicht jeder Kunde passt zu mir. Das ist keine Abwertung, sondern eine wichtige Erkenntnis. Wenn die grundlegende Wellenlänge nicht stimmt, wird die Zusammenarbeit für alle Beteiligten zur Qual. Man trennt sich am Ende unzufrieden und enttäuscht.
Im Großgruppenformat „Open Space“ gibt es eine wunderbare Regel: „Ehre die Anwesenden durch deine Abwesenheit“, wenn deine Energie nicht stimmt. Dieser Satz ist Gold wert. Er bedeutet: Wenn ich spüre, dass jemand anderes fachlich oder persönlich besser zu einer Aufgabe passt, dann ist es meine professionelle Pflicht, das zu sagen und diesen Auftrag abzulehnen oder weiterzuempfehlen. Das ist keine Schwäche, sondern ein Zeichen von Integrität. - Die paradoxe Kraft des Loslassens.
Jetzt kommt der eigentliche Game-Changer. Im Nachhinein stellte sich mein Fehlen als die perfekte „paradoxe Intervention“ heraus. Was tat die Gruppe, nachdem der erste Schock verdaut war? Sie nahm mein Konzept, organisierte sich selbst und führte den Workshop in Eigenregie durch.
Das Ergebnis? Ein voller Erfolg. Die Gruppe verließ den Tagungsort mit Stolz und erhobenem Kopf, weil sie es selbst, ohne externe Hilfe, perfekt gewuppt hatte. Angesichts der latenten Spannungen bezweifle ich stark, ob ich als anwesender Moderator dieses Gefühl von Selbstwirksamkeit und Empowerment hätte erzeugen können. Manchmal ist der beste Beitrag, den man leisten kann, eben nicht im Weg zu stehen.
Ein klares Versprechen an meine Kunden
Diese schmerzhafte Lektion hat meine Arbeitsweise verändert. Sie ist heute die Grundlage für ein klares Versprechen an meine Kunden.
Mein Bauchgefühl ist nicht mehr nur ein interner Warner, sondern mein wichtigstes diagnostisches Instrument im Erstgespräch. Es sagt mir, ob die Chemie stimmt, ob der Auftrag klar ist und ob ich wirklich der Richtige bin, um zu helfen.
Deshalb können Sie sich auf eines verlassen, wenn Sie den Organisations-Notarzt rufen: Sie bekommen von mir eine radikal ehrliche Antwort auf die Frage, ob ich für Ihr Anliegen der Richtige bin. Denn die wichtigste Ressource, die wir am Anfang haben, ist ein Vertrauensvorschuss. Und das beginnt damit, dass wir uns nicht in etwas hineinreden, was von Anfang an nicht passt.
Wenn Sie bereit für eine solche, ehrliche Bestandsaufnahme sind, dann lassen Sie uns sprechen.

Dieter Bickenbach, der Notarzt für Organisationen
Co-Autor: Gemini 2.5 pro
Dieter Bickenbach ist Organisations-Notarzt. Er hilft Führungskräften, in festgefahrenen Situationen schnell wieder handlungsfähig zu werden. Seine Methode: Akut-Intervention, systemische Erstuntersuchung und radikale Ehrlichkeit. Anstatt fertige Lösungen zu verkaufen, befähigt er Organisationen, ihre eigenen Probleme nachhaltig zu lösen. Mit über 20 Jahren Erfahrung in Organisationskrisen und einem Faible für systemische Zusammenhänge bringt er Ruhe in den Sturm – und manchmal auch einen trockenen Kommentar, wenn es die Situation verträgt.
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